Der letzte Schultag

Letztes Klingeln ertönte in der Sonntagsschule des Jüdisch-bucharisch-sefardischen Zentrums am 19. Juni. Die Direktorin Iryna Daychman gratulierte den Schülern zum Abschluss, berichtete über Erfolge des Schuljahres und stellte neue Pläne vor. Sie dankte auch dem Gemeindevorstand für seine allseitige Unterstützung. Iryna Daychman ist eine erfahrene Lehrerin. Im interessant gestalteten Unterricht werden Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung gefördert und an die russische Sprache und Literatur herangeführt.

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Die Insel von Talenten

Am Anfang des Sommers trat in der Gemeinde der bucharischen Juden ein bedeutsames Ereignis ein: Das Kindertheater "Theater-Insel" unter der Leitung der Regisseurin und Pädagogin Irina Afanasjeva führte einem Publikum das Theaterstück "Zwerg Nase" in der russischen Sprache vor. Es war die Erstaufführung dieses Stücks.
Es ist schon keine erste Vorführung dieser jungen Gruppe. Seitdem das Theater im vorigen Jahr gegründet war, organisiert es ständig Inszenierungen zu verschiedenen festlichen Veranstaltungen in der Gemeinde. Dieses Mal resultierten die Bemühungen der Regisseurin und der Kindergruppe in einer Geschichte über die ewigen geistigen Werte und die Wahrheit, welche durch die Leiden begriffen wird.
Warum wurde eben dieses Thema durch die Regisseurin ausgewählt? Irina Afanasjeva antwortet so auf diese Frage: "Manchmal schmerzt es mich, die Gesichte von denjenigen Halbwüchsigen, den ich auf der Straße erblicken kann, anzusehen: Ich sehe die gehaltlosen Augen, den gleichgültigen Gesichtsausdruck. Es scheint mir, dass wir ganz andere Leute waren: Wir waren bestrebt, besser zu werden, wir lasen viel und dachten viel nach. Ja, wir wuchsen in der anderen Zeit heran, man muss sich jedoch immer an die ewigen Werte erinnern. Ich wollte sehr, auch unsere Kinder dächten darüber nach, was gut und was schlecht ist und was den Menschen in Wirklichkeit schmückt. So kam mir die Idee, ein Theaterstück frei nach dem Märchen "Zwerg Nase" aufzuführen. Die Hauptperson im Stück — ein Junge namens Tim — hat ein schönes Aussehen, aber er ist hochmütig, grausam und selbstgefällig. Die geistige Evolution, die mit Tim im Laufe der Handlung geschah, führte ihn zum Begreifen der Anstößigkeit seiner Taten und der Revision seiner moralischen Postulate.
"Das bei uns vorhandene fertige Szenario arbeitete ich um, indem ich mich unseren Realien, unserer nicht großen Gruppe anpasste", so erzählt Irina. "Natürlich gab es bei uns Probleme, vor allem technische und Dekorationsprobleme. Man muss aber sagen, dass die Eltern helfen sehr beim Suchen nach einem Ausweg. So gelang es uns zum Beispiel das Problem, das in den Dekorationsstücken lag, zu lösen. Das konnten wir in vielem dank der großen Unterstützung von Svetlana Matajeva, der Mutter unserer jungen Schauspielerin Rebekka Matajeva, bezwingen". Irina Afanasjeva lehrt die Kinder, dass sie sich ihrer Verantwortung den Zuschauern gegenüber bewusst sein müssen. "Ich sagte den Kindern: "Ihr dürft nicht vergessen, dass ich während der Aufführung neben euch nicht stehen werde, ihr werdet also selbstständig dem Publikum unser Stück zeigen, ihr müsst euch deshalb nur auf eure eigenen Kräfte stützen können".
Warum wurde das Kindertheater als "Theater-Insel" bezeichnet? Nach den Worten von Irina wurde die Bezeichnung für das Theater mit den Kindern zusammen ausgedacht. So wurde aus den vorgeschlagenen Varianten die Benennung "Insel" ausgewählt.
Die Insel der jungen Talente, die Insel des Traums, die Insel der kulturellen Identität… Man kann diese Benennung auf verschiedene Weise deuten, aber das Wesentliche bleibt unverändert. Auf dieser Insel streben alle Menschen nach dem Guten, nach Gerechtigkeit und Schönheit, sie sind bestrebt, den Zuschauern freudige Minuten zu schenken, damit alle Zuschauer des Schönen teilhaftig werden können. Für die nächste Zukunft plant die Theatergruppe, ein Theaterstück zum Feiern des Chanukkafestes aufzuführen.