Mit Rabbi David Kraus

10.-12. Februar 2017
Im Februar dieses Jahres war in Hannover ein besonderer Gast zu Besuch. Rabbi David Kraus, der sowohl eine jüdisch-theologische als auch eine weltliche Ausbildung erfuhr, ist herausragender Pädagoge, Psychologe und auch Paartherapeut.
Bei seinem Besuch im Jüdisch-bucharisch-sefardischen Zentrum Deutschland in Hannover versuchte er, mit möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen ins Gespräch zu kommen.
Am Freitag, während des Sabbats, fand ein Treffen mit Jugendlichen statt. In einer gemütlichen Atmosphäre sprachen sie über die Tora und Probleme der Jugend.
Nach dem Gebet am Samstag hielt David Kraus einen Vortrag mit dem Titel „Die Formel des Himmels“. Fragestellungen unseres Lebens beleuchtete er im Zusammenhang mit den Forderungen des Glaubens und behauptete, dass heilige Schriften uns helfen können, das Leben glaubensgerecht und richtig zu organisieren. Kraus nennt es „Charme der Tora“.
Am Sonntag sprach Rabbi in unserer Synagoge über „das Vergnügen, in Hannover zu leben“. Selbstverständlich war nicht einfach nur das Leben an einem bestimmten Ort gemeint – vielmehr ging es um die Lust zu leben, die Welt zu betrachten und sogar an ihrem Lauf und ihrer Entwicklung teilzunehmen. Wir seien keine nichtig kleinen Moleküle, sondern - jeder von uns - ein selbstständiges Zentrum der Weltschöpfung, aus dem heraus die Welt verbessert wird. Wort für Wort verstand es Kraus, eine Atmosphäre von Schaffenselan zu erzeugen, und ließ wohl niemanden gleichgültig. Man hörte heraus, dass diese optimistischen Worte seiner Lebenseinstellung entspringen.
Es sind einfache Wahrheiten, die wir immer in uns tragen und uns im Alltag nach ihnen richten sollten: „Gott ist nicht im Himmel, er ist überall“, „es gibt keinen Gott ohne ein Gebet“, „zusammen sind wir stark“.
Zum Abschluss seiner Visite führte der Rabbiner ein paar persönliche Gespräche mit Menschen, die seine theologische oder psychologische Unterstützung suchten. Unter den Besuchern waren an diesen Tagen nicht nur Hannoveraner. Zahlreiche Menschen aus anderen Städten Deutschlands waren angereist, weil sie mit Aufmerksamkeit die Entwicklung der jüdischen Glaubenskultur beobachten und diese extraordinäre Persönlichkeit erleben wollten.
Das Treffen mit David Kraus gab jedem einen nachhaltigen Anstoß zur Weiterentwicklung und Verbesserung der eigenen Welt. Es war ein Erfolg und es bleibt zu hoffen, dass solche Begegnungen auch in Zukunft möglich sein werden. Begegnungen mit Menschen, die Besonderheiten unseres Glaubens und seine historische Kraft uns näherbringen und die uns besser machen.
S. Sirotkin