Lag Ba’Omer-Fest, 2017

14. Mai 2017
Freudenfeuer in der Trauerzeit.
Tag 33 nach Pessach:
Am 14. Mai feierte die Jüdisch-Bucharisch-Sefardische Gemeinde ihr Lag Ba’Omer-Fest mit Lagerfeuer, Grillen und russischen Märchen.


„Bar Jochaj nimschachta aschrecha“, singt Rabbiner Yafim Aminov. Im Garten des Jüdisch-Bucharisch-Sefardischen Zentrums schlagen die Flammen des Lagerfeuers in den Maihimmel, und die Gemeindemitglieder – einer nach dem anderen - stimmen in die hebräischen Strophen mit ein. Es ist ein Lied im Gedenken an den Todestag des bedeutenden Rabbiners Schimon ben Jochai, einer der Väter der mystischen Zahlenlehre Kabbala. „Das Lagerfeuer ist wie eine riesige Kerze“, lehrt der Rabbi. „Ihm zu Ehren begehen wir diesen Feiertag.“ Dann fassen sich die großen und kleinen Festgäste an den Händen und tanzen in einem Reigen um die Flammen.

„Liebe Gemeindemitglieder, das Jüdisch-Bucharisch-Sephardische Zentrum begrüßt Sie zum diesjährigen Lag Ba’Omer-Fest“, heißt der Vorstandsvorsitzende Juhanan Motaev an diesem 14. Mai über 100 Gäste aus Hannover und Niedersachsen in dem geschmückten Garten willkommen. Es ist ein strahlender Frühlingstag. Tischtennisplatten, Dart-Wände, Schach-Tische und eine riesige Hüpfburg erwarten die Gemeindemitglieder. Auf dem Grill duftet Lammfleisch, auf den Tischen wartet ein reichhaltiges Buffet.

Die ausgelassene Feier hat einen tiefen spirituellen Hintergrund. „ Lag Ba’Omer ist ein Freudenfest in der Mitte der Trauerzeit“, erklärt Rabbi Aminov. Das besagt schon die wörtliche Bedeutung des Namens. Die Bezeichnung „LaG“ setzt sich aus den hebräischen Buchstaben Lamed (Zahlenwert 30) und Gimel (Zahlenwert 3) zusammen: Tag 33 in der Zeit des Omer. Das rituellen Zählen der 49 Omer-Tage zwischen den Feiertagen Pessach und Schawuot erinnert an die Zeit der Auswanderung der Juden von Ägypten bis zum Erhalten der Thora. Eigentlich ist die Omer-Zeit eine Phase des Totengedenkens, freudige Ereignisse wie Familienfeste dürfen nicht gefeiert werden. Lag Ba’Omer aber ist ein Freudentag in der Trauerzeit. „Der Überlieferung zufolge endete an diesem Tag eine Epidemie, die 24.000 jüdische Gelehrte das Leben kostete“, erklärt der Rabbi. An diesem Tag dürfen die Juden all das tun, was ihnen eigentlich während der Zeit des Omer verwehrt ist: Musik hören, tanzen, technische Geräte bedienen und grillen.

„Hier in Hannover feiern wir immer besonders fröhlich und bunt“, sagt Rabbi Aminov. „Wir wollen eine Party für alle unsere Mitglieder geben – egal wie eng sie ihr Leben nach den jüdischen Ritualen ausrichten.“ Der Rabbiner hat sich besonders viel Zeit für seine Gemeinde genommen. An diesem Tag ist er nicht nur Schriftgelehrter. Er plaudert und lacht mit den Gästen, er berät in großen und kleinen Lebensfragen, und im Schachspiel erweist sich der passionierte Spieler als schwer zu schlagender Gegner.

Unter der Pergola erwartet die Gäste ein buntes Programm, das die Kinder der Sonntagsschule vorbereitet haben: Sie bringen die Erwachsenen mit grazilen Tanzeinlagen zum Staunen Arsenij und Ilja, zwei der Stars aus der Theatergruppe, sind begeistert. Ihre Gesichter glühen, als sie nach der Aufführung von der Bühne stürmen: „Das hat so viel Spaß gemacht!“, jubelt Arsenij. „Zwei Tage haben wir in der Sonntagsschule für die Aufführung geübt.“ Und Ilja, der mit einer Tanzeinlage und einem perfekten Spagat beeindruckte, plaudert: „In der Sonntagsschule lernen wir nicht nur das Schauspielen, wir machen auch Musik, Sport und Religion. Religion mag ich am liebsten, aber ich kann auch Klavier, Chor und Trommeln.“ Und so kommt an diesem sonnigen Maitag vieles zusammen: Feiern und Totengedenken, hebräische Lieder und russische Gedichte, jüdische Rituale und sogar christliche Nachbarschaftshilfe. Susanne Ohmstede, die als Nachbarin herzlich zum Mitfeiern eingeladen war, ist bereits seit dem frühen Vormittag dabei, um den Veranstaltern bei den Vorbereitungen zur Hand zu gehen. „Für mich als Christin ist das jüdische Gemeindeleben faszinierend, und gleichzeitig seltsam vertraut“, sagt sie. „Wir haben hier ein enges Miteinander.“