Sukkot oder Laubhüttenfest

04. - 11. Oktober 2017
Im Herbst, wenn die ersten kühlen Tage kommen, feiern die Juden Sukkot, das auch "Fest der Laubhütten" oder "Erntefest" genannt wird. Das Wort «Sukka», übersetzt ins Deutsche bedeutet «Zelt», «Hütte», oder «Laubhütte». Entsprechend der jüdischen Tradition ist die Errichtung der Sukka ein Gebot (Das Gebot der Sukka). Der Sinn der Gebote ist, dass die Menschen sich an die Armut erinnern und dass selbst wohlhabende Menschen sich nicht von ihrem Reichtum blenden lassen.

Das Leben oder zumindest Essen in einem Zelt symbolisiert die Ablehnung der Illusionen, dass nur ein zuverlässig gebautes Haus Sicherheit bieten kann. "Sicherheit und Zuverlässigkeit der Existenz hängt von ganz anderen Ursachen ab".

Das Anbringen einer solchen «Sukka» neben dem eigenen Haus, soll die Juden dazu bringen sich an diejenigen zu erinnern, die vierzig Jahre durch die Wüste wanderten um ihre neue Heimat zu ereichen. "Sieben Tage lang sollt ihr in Hütten wohnen. Alle Einheimischen in Israel sollen in Hütten wohnen, damit eure kommenden Generationen wissen, dass ich die Kinder Israels in Hütten wohnen ließ, als ich sie aus Ägypten herausführte - ich, der Ewige, bin euer Gott." (Lev 23,39.42-43)

Die Zeit dieser Feier wurde nicht zufällig ausgewählt. Einerseits reift zu dieser Zeit ein großer Teil der Ernte und diese Periode ist damit auch ein Symbol des Überflusses. Andererseits ist es wichtig in dieser Zeit die Demut, Harmonie und sauberen Gedanken, trotz des erreichten materiellen Wohlstand, nicht zu vergessen. Deshalb wurde die Laubhütte zu einem Symbol für ein gerechtes Leben und genau deshalb wohnt man in dieser auch bei Kälteeinbruch, um genau diese Demut zu zeigen.

In Sukkot führen die Juden ein Ritual namens Netilat-Lulaw durch ("Lulav" übersetzt Schütteln). Es ist üblich, die Arba Minim (die "vier Arten der Pflanzen") hochzuheben und zu segnen. Jeder dieser Pflanzenarten symbolisiert eine bestimmte Art von Menschen. Diese Symbolik ist mit der Kombination der Pflanzeneigenschaften verbunden: Geschmack, Geruch oder halt der Mangel davon.

Der Geschmack symbolisiert die Tugend, die durch das Studium der Weisheit der Tora erworben wurde. Der von der Pflanze verbreitete Geruch symbolisiert die Taten des Menschen: die Erfüllung des Gesetzes und das Helfen anderer. Der Sinn dieses Gebotes ist die Vereinigung aller Juden, wer auch immer sie seien.

Alle Juden, die die Gebote von Sukkot halten, werden mit der Gegenwart des Herrn und Ushpizin, seine sieben himmlischen Freunde, geehrt. (Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Moses, Aaron und David)

"Wie können sie in jedem Haus, bei jedem Essen anwesend sein? " - fragte Rabbi Yafim Aminov, worauf er gleich die Antwort lieferte. - "Weil sie immateriell sind. Wenn man viele andere Kerzen mit einer andren Kerze anzündet, wird das Feuer der ersten Kerze immer noch bestehen bleiben... "

Der Regen regnet, der Wind flattert an den Zeltwänden, die Früchte schaukeln an den Seilen unter der Strohdecke. Umgeben von Dunkelheit und schlechtem Wetter ist es angenehm, an einem festlichen Tisch zu sitzen, Reden und Toast zu hören... und im Sessel in der Ecke, bedeckt in einem eleganten Schleier, ist ein "höherer Gast" unsichtbar anwesend...

Viele Worte der Dankbarkeit wurden an die Führung der Gemeinde für die ausgezeichnete Organisation der Feier von Sukkot gegeben. Tariel Talaev lud alle ein, den Simchat Tora zu feiern, den dieses Jahr seine Familie organisierte.

In diesem Jahr beginnt Sukkot am Abend, nach Sonnenuntergang, am 4. Oktober und endet am Abend des 11. Oktober. Dies entspricht dem Zeitraum zwischen 15. Tag und 21. Tag des Monats "Tischrei" nach dem jüdischen Mondkalender. Sukkot ist der einzige Feiertag, zu denen die Tora Leute aufrichtig auffordert, sich zu freuen.

Das Fest in unserer Gemeinde war keine Ausnahme. Die Feiertage erinnern uns daran, dass das jüdische Ziel des Lebens darin besteht, Einheit zu erreichen, dem Nächsten zu helfen und seine Umwelt zu verbessern.



"Sukkot", Leopold Pilichowski, 1894/95
Text: Maria Drozdetskaya