Da wird es euch eine Freude sein

Freudige Glückwünsche, Lieder, Tänze, eine Kinderaufführung und natürlich das beste Essen und die besten Getränke: Am vergangenen Sonntag feierte die Gemeinde der bucharischen Juden der Stadt Hannover das fröhliche Purimfest. In einem großen und gemütlichen Saal fand diese unvergessliche Begehung des Festes statt: Die Gesichte von Erwachsenen und Kindern strahlten extrem vor flammender Freude. Das hat seine guten Gründe, denn eine besondere Atmosphäre des Festes und eine heitere Stimmung herrschten an diesem Feiertag. Es muss darauf hingewiesen werden, dass es für die Gemeinde der bucharischen Juden das erste festliche Ereignis mit einer so großen Anzahl von Teilnehmern war.

Es war von unseren Enthusiasten und aktiven Mitgliedern sorgfältig vorbereitet und wurde zu so einer Art "Ziegelsteinchen" im Gebäude des Lebens der verhältnismäßig jungen Gemeinschaft. "In unserer Gemeinde schon seit ihrer Gründung im Jahre 2002 veranstaltete man immer Feste", so erzählt Rosa Boroukhova, die Leiterin des "Frauenklubs" der Gemeinde. "Aber dieses Mal boten wir alle Kräfte dafür auf, möglichst viele Menschen einzusetzen und das Fest organisatorisch reicher an Inhalt zu machen". Man muss dabei sagen, dass es uns in vollem Maße gelang, alles, was wir vorgehabt hatten, zu verwirklichen. Das feierliche Lautlesen der Esther — Rolle ist ein unabdingbarer und wichtiger Teil des Festes. Er erfolgte auf der mit Luftballons verzierten Bühne. Wie bekannt, wird im Text der Rolle die Geschichte des Ereignisses, das in der Zeit des Persischen Reiches eintrat, und das Wesentliche dieses Ereignisses dargelegt. Esther war eine Frau, die in die Geschichte dank ihrer Heldentat einging. Eben ihr wurde das Purimfest gewidmet. Wir erinnern daran, dass Esther die Ehefrau des Königs Achaschwerosch war (er regierte von 367 bis 353 vor unserer Zeitrechnung). Nachdem sie erfahren hatte, dass Haman, der boshafte Rat des Königs, mithilfe der Intrigen beschlossen hatte, Juden zugrunde zu richten und zu vernichten, entschied sie sich für eine kühne Tat. Sie lud den König zum Festmahl ein. Da entlarvte sie Haman, öffnete ihrem Mann die Augen über ihn und errettete damit wundervollerweise ihr Volk aus einer gefährlichen Situation. Von dieser Zeit an feiern Juden das Purimfest. Der Name dieses Festes stammt vom Wort "pur" ab, das "Los" bedeutet, denn eben mithilfe des Loses bestimmte der Rat Haman den Tag, an dem er Juden ausrotten wollte. Nach der Beendigung des Vorlesens der Rolle hielt der Vorsitzende der Gemeinde, Michail Davydov, die Begrüßungsansprache, er richtete sein Wort an all die Menschen, die zusammenkamen: "Ich heiße alle willkommen bei diesem schönen Fest im Namen unserer ganzen Gemeinde und möchte mich bei allen bedanken, wer heute mit uns das Fest feiert". Warme Worte wurden auch von den anderen angesehenen Gemeindemitgliedern gesagt. "Wo wir auch lebten, welche Schicksalsprüfungen wir auch zu bestehen hatten, immer blieben wir Juden — dank G-ttes Hilfe und dank unserer Religion", das stellte in seiner Rede Herr Ju. Motaev fest. "Ich habe mich darüber sehr gefreut, dass die Zeit der Erkennung unserer Feste gekommen ist. Heute feiern wir Purim — als Symbol unserer Einheit und unserer Gewissheit darüber, dass wir als Volk unausrottbar sind!". Einen kurzen Exkurs über die Geschichte und den Sinn des Festes machte in seiner Rede der Kantor der Gemeinde, Herr A. Malaev. Er erinnerte daran, dass Juden sich auf die Bedeutung des Wortes "Amalek" besinnen müssen und auch darauf, warum wir alles machen müssen, damit er nicht kommt". (Ehemals kämpften Juden gegen die Amalekiden. Von dieser Zeit an wurde das Wort "Amalek" zur Verkörperung des Bösen.) "Ich weiß, dass Amalek dann kommt, wenn wir uns von der Tora, von unserer Religion abwenden", so sagte der Kantor. "Damit Amalek nicht kommt, müssen wir geschlossen unsere Synagogen besuchen, müssen wir beten". Außerdem gratulierte der Kantor allen zum Fest. Somit endete der offizielle Teil und begann der Zauber des Festes. Die wunderschöne kostümierte Aufführung "Da wird es euch eine Freude sein" wurde von dem Kindertheaterteam der Gemeinde vorbereitet. Die bekannte Geschichte darüber, dass Esther zuerst zur Ehefrau des persischen Königs wurde und dann ihr Volk rettete, wurde auf der Bühne gespielt. Das Gute besiegt das Böse, und es ist gut, dass das in Märchen immer wieder geschieht. Was Esther betrifft, ist ihre Geschichte noch erstaunlicher und unbegreiflicher als märchenhafte Geschichten, denn sie beruht auf wahren Begebenheiten. Der launenhafte König, der schlaue Haman, die liebe Esther, der mutige Mordechai ß diese und viele andere Helden und Heldinnen gewannen die Herzen von Zuschauern. Viel Beifall und ehrliche Bewunderung des Saales wurden zum besten Beweis dafür, dass das aufrichtige Spiel der Kinder das gesamte Publikum mitreißen konnte. Der Kinderchor unter der feinfühlenden Leitung von Irina Afanasjeva bereitete für das Fest sein Programm vor, und zwar: Lieder, die dem Purimfest gewidmet sind, "Alphabet" von Mozart, "Fischfangliebhaber" von Ostrovskij. Sogar die drei bis vier Jahre alten Kleinen sangen mit Begeisterung auf der Bühne und hatten dabei keine Angst vor dem hellen Licht und dem großen Saal. "Die Kinder haben sich an der Vorbereitung für das Fest sehr aktiv beteiligt", so erzählt Rosa. "Sie führten das Theaterstück auf, üben Chorlieder ein. Obwohl sie aufgeregt waren, scheint es mir, dass uns die "Kinderkomponente" unseres Festes sehr gut gelungen ist: Sie war auf der Höhe". Das Programm dauerte weiter: Es traten Tänzer auf. Der Bauchtanz wurde von Ala Davydova gemacht. Danach kam das Tanzpaar — Daniel Davydov und Evelina Mamaeva — auf die Bühne. Die zündende Rumba und der feurige Paso doble, die von den jungen Tänzern dargestellt wurden, wurden zum schönen Geschenk an alle Anwesenden. Die Kinder waren die handelnden Hauptpersonen im Laufe des ganzen Festes. Die aufgeregten und in den grellen Karnevalskostümen verkleideten Kinder gewannen eine Menge Eindrücke. Ein lustiger Clown, der den Kleinen Vergnügen bereitete, Kinderspiele, Preise für das beste Kinderkarnevalskostüm — all das war beim Fest. Keines der Kinder ging nach Hause ohne gutes Geschenk. Trotzdem gab es diejenigen, den besondere Preise von den Sponsoren der Veranstaltung fielen. Mit dem von der Gesellschaft "Eurotour" organisierten eintägigen Ausflug in ein beliebtes europäisches Land wurde Ruven Sulejmanov ausgezeichnet: Er war im Kostüm eines jungen Fräuleins. In ihrer Rede betonte der Leiter von "Eurotour" folgendes: "Es fiel uns sehr schwer, in der Jury zu arbeiten, weil alle Kostüme uns wunderbar schienen". Eine angenehme Überraschung war für alle Anwesenden unerwartet: Die Gesellschaft "Eurotour" schenkte jedem Gast einen Gutschein im Wert von 15 Euro für jeden Ausflug. Wie bekannt, gibt es kein Purim ohne eine festliche Bewirtung der Gäste. Die traditionelle dreieckige Pasteten, die mit Marmelade gefüllt wurden, eine Menge verschiedener Salate, Torte, Sandwiches und verschiedenes Gebäcks — all das war sorgsam von den geschickten Händen der Frauen zubereitet. Die Sponsoren betonten die kulinarischen Talente der Erwachsenen: Von der Zeitschrift "Hausrestaurant" wurden Preise für das beste zubereitete Speise, für die beste Torte und den besten Salat eingehändigt. Der Schönheitssalon "Nifertiti" und "Wellnex" schenkten den Gewinnerinnen ihre Geschenkzertifikate. Nachdem alle Preise schon ausgeteilt worden waren, wurde der Tribut dem Essen und den Getränken völlig gezollt. Es blieb uns noch zu tanzen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass Purim — ein fröhliches Fest des Lebens und der Einheit und des gerechten Urteils G-ttes — aufs beste gelungen ist. Die Gemeinde der bucharischen Juden der Stadt Hannover zählt heute mehr als zwei hundert Mitglieder. Aus Usbekistan, Kirgisien, Kasachstan und Tadschikistan gebürtige Mitglieder vereinigten sich, weil sie zum Ziel haben, ihre authentische Kultur, ihre Tradition und Bräuche zu bewahren. Wie der Vorsitzende der Gemeinde, Michail Davydov, unterstreicht, gibt es sehr viele Pläne, die wir noch nicht realisierten, aber deren Verwirklichung uns bevorsteht. Uns stehen noch viele Anlässe zu den Treffen und Festen, zur gemeinsamen Arbeit und zum Erreichen von neuen Höhepunkten bevor. Eine Einfügung: Außer dem Lautlesen der Rolle des Buches Esther bestehen noch drei "Pflichten" (Mizwot), die man beim Purimfest erfüllt, nämlich: Das Geben von Geschenken, Almosen für arme Menschen und das festliche Mahl. Noch eine Einfügung: Die Organisatoren der Veranstaltung bedanken sich bei den Sponsoren der Veranstaltung für die gegebenen Preise.