Gedenken und beten an einem der dunkelsten Orte

Im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen, das unweit von Hannover liegt, gedachte man der Befreiung durch die britische Armee am 15. April 1945. Zum 70. Mal jährt sich der Tag. Mehr als 52 000 Häftlinge und 20 000 Kriegsgefangene starben an diesem Ort oder wurden ermordet.

An der Veranstaltung nahmen Bundespräsident Joachim Gauck, niedersächsischer Ministerpräsident Stephan Weil, Ronald C. Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, dem auch das sephardisch-bucharische Zentrum Hannover angehört, und andere teil. Es war ein Tag von schweren Erinnerungen, Berichten über das Erlebte, ein Tag der Gebete.

Bundespräsident Joachim Gauck erinnerte in seiner Rede an die Verbrechen, die Deutschland in den Jahren des nationalsozialistischen Regimes zwischen 1933 und 1945 begangen habe. Darin liege eine unermessliche Schuld. Orte wie Bergen-Belsen, Buchenwald oder Dachau seien Symbole der Katastrophe, in die das Dritte Reich die Menschen in Deutschland und ganz Europa geführt hatte.

Stephan Weil rief dazu auf, die von Nationalsozialisten begangenen Massenmord und Völkermord niemals zu vergessen. Heute gelte es, entschlossen gegen jedes Anzeichen von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus vorzugehen.

Auch der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald C. Lauder, mahnte vor wiederauflebendem Antisemitismus in Europa. 70 Jahre nach der Befreiung von Bergen-Belsen könnten jüdische Jugendliche nicht ihre Kippa auf den Straßen von Paris, Kopenhagen oder London tragen, ohne Angst um ihr Leben haben zu müssen.

Auf die Bühne vor dem Mahnmal kamen auch die Überlebenden, diejenigen, wer die Schrecken des Lagers überstehen konnte, wer im April 1945 die britischen Befreier sah. 100 Menschen aus aller Welt gehören der Delegation an – alle durch gemeinsame Erinnerungen vereint. Jeder der Redner nennt seine Nummer, die ihm im Lager gegeben wurde, und erzählt seine schwere Geschichte. Viele von ihnen sagen, ein Teil ihrer selbst werde immer hier bleiben, an dem Ort, wo sie ihre Angehörigen verloren hatten. Nach den Kranzniederlegungen singt der Chor der jüdischen Gemeinden von Hannover „Rachem“ und „Ani Maàmin“.

Vor dem Mahnmal hielten auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, und Ephraim Mirvis, Oberrabbiner des Vereinten Königreichs, eine Rede. Anschließend wurden die Gebete „El maleh Rachamim“ und „Kaddisch“ gesprochen.

Ratsmitglieder unseres Zentrums, Michail Davidov, Ratsvorsitzender, sein Stellertreter Roben Motaev sowie andere Vertreter der älteren und der jungen Generation wohnten der Gedenkfeier bei. Auch sie gedachten der jüdischen Opfer von Bergen-Belsen mit Kranzniederlegungen.

Einer der zentralen Gedanken, die an der Gedenkfeier erklangen, ist eine Mahnung an alle späteren Generationen: Der Schrecken dieses Ortes, eines Symbols für Tod und Verbrechen, darf sich nicht wiederholen.