Die so ferne und so nahe Geschichte

Vor Kurzem fand in unserer Gemeinde ein Treffen mit Vertretern der bucharisch-jüdischen Intelligenzia aus Israel: Hannah Tolmas, Dr. der Philosophie, und Mark Fasilow, Schriftsteller, Historiker, Journalist und stellvertretender Redaktuer der Zeitung „Menora“.

An dem Abend versammelte sich in der Synagoge ein aktiv tätiges und wissbegieriges Publikum.

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Geschichte meiner Mutter

Im September dieses Jahres sind es zehn Jahre seit dem Todestag von Barucha Aminova. Über die Mutter erzählt ihre Tochter Riva Davydova:

"Meine Mutter war eine bescheidene, gute und reine Seele, sie verhielt sich allen gegenüber mit großer Liebe. All ihr Leben widmete sie ihren Kindern, Enkeln und Enkelinnen, Urenkeln und Urenkelinnen. Sie lehrte uns alle, dass wir würdige, rechtschaffene und offene Menschen sein sollen. Die Mutter ist im Jahre 1910 in der Stadt Kokand, in der Familie von Rafoel Aminov, der tief religiös war, und Sara geboren. Es gab insgesamt vier Kinder in der Familie, von denen meine Mutter das letzte Kind war. Die Familie lebte im Wohlstand. Der Vater war erfolgreicher Kaufmann, die Mutter Sara arbeitete als barmherzige Schwester.

Mit dem Antritt der Sowjetmacht und dem Wüten der Basmatschentum traten grundlegende Veränderungen in der Familie ein. Die Basmatschen (die Banditen im Mittelasien jener Zeit) verbrannten ihr Haus, raubten ihr Vermögen aus, erschossen die ältere Schwester meiner Mutter. Die Familie war genötigt, in die Stadt Samarkand zu fliehen. Die Großmutter Sara konnte den Verlust ihrer Tochter nicht überstehen und starb im Alter von nur 37 Jahren. Nach einer gewissen Zeit verreiste mein Vater mit den Kindern in die Stadt Schachrissabs, wo der Vater meines Vaters — mein Großvater Dschura — uns damals zu Hilfe kam.

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Unsere Volksgruppe

Die Geschichte der bucharischen Juden beginnt mit der Babylonischen Gefangenschaft unserer Vorväter nach der Zerstörung des Ersten Tempels (586 v. u. Z.). Nach ihrer Befreiung durch die Perser erhielten die Juden Zentralasiens die Möglichkeit, in ihre Heimat zurückzukehren. Ein Teil tat das auch und baute nach der Rückkehr den Zweiten Tempel. Ein anderer Teil entschied sich im gesamten Großpersischen Reich anzusiedeln, auch in Buchara. Nach der Niederlassung in diesen Gebieten entstand ein Dialekt, der viele hebräische Wörter enthielt — ein Prozess, welcher der Entstehung des Jiddischen, eines Dialektes des Deutschen, vergleichbar ist. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die bucharischen Juden massenhaft wangsweise zum Islam bekehrt; es entstand die Gemeinde "Tschala" — heimliche Juden, die sich nach außen hin zum Islam bekannten. Infolge der unglaublichen religiösen Unterdrückung wurden zeitweise die religiösen Gefühle der Juden in dieser Region schwächer. Ende des 18. Jahrhunderts kam ein Jude marokkanischer Herkunft nach Buchara, Rav Josif Mamon aus dem Maghreb, der Spenden für die jüdische Gemeinde Zfat sammeln wollte. Nachdem er erfahren hatte, dass die jüdische Gemeinde in Buchara nahe am Verlöschen war, beschloss er zu bleiben. Dank der de Anstrengungen von Rav Mamon normalisierte sich das Religions- und Kulturleben der Juden der Stadt und dann auch der gesamten Region. Das Leben der bucharischen Juden wurde erheblich besser, nachdem Zentralasien 1860 vom zaristischen Russland erobert worden war. Damals wurde das Leben der Juden nicht nur in geistiger, sondern auch in materieller Hinsicht leichter. Die Sowjetmacht eröffnete in breiten Kreisen der Bevölkerung Zentralasiens bessere Bildungschancen. Die bucharischen Juden nahmen sich verschiedene Tätigkeiten an. Etliche wurden bedeutende Lehrer, Ärzte, Wissenschaftler, Techniker, und auch Laufleute