Ein unvergesslicher Tag in Hamburg

In den Osterschulferien hielten wir uns in Hamburg auf. Der eintägige Ausflug in diese wunderbare Stadt wurde durch die Sozialarbeiterin Inna Mezhevova organisiert und von dem Vorstand der Gemeinde unterstützt.

Es ist schwierig oder fast unmöglich, während eines Tages alle Sehenswürdigkeiten dieser alten Stadt, die auf eine lange, wechselhafte Geschichte zurückblicken kann, zu besichtigen. Dennoch kann man immer dasjenige erblicken, von dem man viele unauslöschliche Eindrücke gewinnen und das bei der Bildung einer persönlichen Meinung über diese Stadt helfen kann. Unser Fremdenführer Yuriy Tkachov arbeitete seinen "Handlungsplan" aus: ein Programm, nach dem wir Hamburg erkannten. Es gelang ihm, eine sehr inhaltsreiche, interessante, spannende und neugierig machende Besichtigung durchzuführen.

Nach der Ankunft in dem Hauptbahnhof begaben wir uns zum Stadtrathaus. Der Bau dieses Gebäudes (vorher hatte ein anderes, altes Stadtrathaus existiert, das 1842 durch einen großen Brand zerstört geworden war) war im Jahre 1897 vollendet. Da das Gelände an diesem Ort sumpfig ist, verwandte man beim Bau 4000 Eichenpfähle, auf denen eigentlich dieses Gebäude steht. Den durch die Schlichtheit charakterisierten Hansetraditionen zuwider ist die Gestaltung des Rathauses durch den kostspieligen Ausbau gekennzeichnet. Wir bewunderten sowohl die Fassade, die von 20 Statuen von Kaisern geschmückt, als auch den Innenhof, wo ein wunderschöner Springbrunnen steht.

Nach dem Besuch des Rathauses begaben wir uns zu einer Landungsbrücke, um eine Spazierfahrt auf einem von Schiffen zu machen, die massenhaft durch die "Wasserstraßen" dieser Stadt verkehren. Wir fuhren an vielen interessanten Orten vorbei, darunter an einem Fischmarkt, wo man den frischesten Fisch kaufen kann. Wir erreichten einen Ort namens Altona. Früher war es eine freie Stadt, aber später wurde sie an Hamburg angegliedert.

Zum nächsten Ziel unserer Reise hatten wir den Besuch des Museums für die Geschichte Hamburgs. Wir gingen langsam durch die Säle, wo die Geschichte der Stadt, die von alters her mit dem Meer verbunden ist, anschaulich illustriert wird. In verschiedenen Sälen kann man sehen, wodurch die Stadt früher lebte, welche Gewerben sich entwickelten, wie das kulturelle Leben ablief und welche Künste in Hamburg dargestellt wurden, was Männer und Frauen vor langer Zeit an- und aufhatten, womit man handelte und wie man Kriege führte.

Einer der bedeutendsten Momente bei unserem Aufenthalt im Museum war der Besuch des Saals, der der Geschichte der Juden in der Stadt Hamburg gewidmet ist. Da wurden Dokumente, Fotografien und Bilder gesammelt, die das Leben der Juden seit alten Zeiten darstellen. Es wurde da sogar eine ganze Synagoge nachgebildet, wohin man eintreten und wo man alte Thorarollen und andere Merkmale der echten Synagoge bewundern kann. Es wird auch der Ablauf von Produktionen in Miniatur dargestellt, die von Vertretern des jüdischen Volkes verwaltet wurden. Darüber hinaus gibt es in dieser Abteilung des Museums auch ein Zimmer, das alle typischen Merkmale des echten jüdischen Hauses hat. Es wurden alte Möbel — ein Sofa, ein Tisch, Stühle, Sessel — gestellt, alte Aufnahmen an den Wänden aufgehängt, schöne Schränke aufgestellt — all das hilft bei der richtigen Vorstellung davon, wie das Alltagsleben einer jüdischen Familie ablief. In einem separaten Zimmer führt man zusammengetragene historische Videomaterialien vor. Somit konnten wir im Museum einen Überblick über die da anschaulich dargestellte Geschichte der Juden Hamburgs von längst vergangener Zeit bis zum heutigen Tag bekommen.

Der nächste Ort, an dem wir waren, ist die berühmte Michaeliskirche — das Wahrzeichen von Hamburg. Wir bewunderten den Innenausbau dieser barocken Kirche, ihre Orgel, erfuhren durch unseren Fremdenführer viele interessante Informationen über historische Ereignisse, die die Kirche betreffen. Sie hat übrigens die größte Turmuhr in Deutschland — im Durchmesser ist ihr Zifferblatt über 24 Meter groß.

Danach gingen wir zu Fuß in die Richtung, in welcher der Bahnhof liegt. Unterwegs schafften wir es, noch die so genannte "verborgene Gasse" zu besichtigen. Sie wurde eigens für arme Hansewitwen gebaut, damit sie niemanden für den Teil des Grundes vor ihren Wohnungen bezahlen konnten. Heutzutage wurde diese Gasse zum Ort, der von Touristen immer besucht wird. Da erhielten sich diese Wohnungen der Witwen, es gibt da auch ein gemütliches Café, wo man in Ruhe Kaffee trinken und dabei von vielen Antiquariaten umgeben werden kann. Unterwegs, als wir zum Bahnhof gingen, schafften wir es, auch das bekannte "Chile-Haus" zu besuchtigen, das die Form eines riesigen Schiffes hat.

Da warfen wir den letzten Blick auf die gastfreundliche Stadt Hamburg — es kam schon die Zeit für den Abschied. "Auf Wiedersehen, die wunderschöne Stadt, bis bald!"

Ein tiefer Eindruck, den wir von der Bekanntschaft mit Hamburg gewannen, war die Hauptsache nach unserem Zurückkommen nach Hause. Wir sahen und erfuhren so viel während dieser kurzen Zeit, dass es uns jetzt bleibt, immer wieder in unseren Erinnerungen diese Stunden des so schnell verflogenen Tages zu erleben.